Was passiert eigentlich, wenn nach einem schweren Verkehrsunfall, einem plötzlichen Todesfall oder einem anderen belastenden Ereignis die Arbeit von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei endet – für die Angehörigen die schwersten Stunden aber erst beginnen?
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Weitere InformationenGenau dann kommt häufig die Notfallseelsorge beziehungsweise die Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) zum Einsatz. In der aktuellen Folge unseres Podcasts „Passierschein A38“ spricht Moderator Alexander Baumbach mit Theresa Pabst-Clemens, Teamleiterin der Notfallseelsorge im Kirchenkreis Wittenberg, über eine Aufgabe, die oft im Hintergrund bleibt – für Betroffene aber von unschätzbarem Wert ist.
Was ist Notfallseelsorge?
Die Notfallseelsorge begleitet Menschen unmittelbar nach einem belastenden Ereignis. Das können Angehörige nach einem plötzlichen Todesfall sein, Zeuginnen und Zeugen schwerer Unfälle oder Menschen, die eine außergewöhnliche Krisensituation erleben mussten.
Die ehrenamtlichen Einsatzkräfte leisten dabei keine Therapie. Ihr Auftrag besteht vielmehr darin, den Betroffenen in den ersten Stunden Orientierung, Halt und Struktur zu geben. Sie hören zu, begleiten, helfen dabei, die Situation einzuordnen und gemeinsam die nächsten Schritte zu planen.
Wie Theresa Pabst-Clemens im Podcast beschreibt, geht es oft zunächst um etwas ganz Einfaches: da zu sein.
Was bedeutet PSNV?
Die Abkürzung PSNV steht für Psychosoziale Notfallversorgung. Dabei wird zwischen zwei Bereichen unterschieden:
- PSNV-B richtet sich an Betroffene – also Angehörige, Hinterbliebene, Unfallzeugen oder andere Menschen, die unmittelbar von einem belastenden Ereignis betroffen sind.
- PSNV-E unterstützt Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst oder Polizei nach besonders belastenden Einsätzen.
Während die PSNV-B den Betroffenen hilft, wieder handlungsfähig zu werden und die ersten Stunden zu bewältigen, soll die PSNV-E Einsatzkräfte dabei unterstützen, belastende Eindrücke zu verarbeiten und langfristig gesund sowie einsatzfähig zu bleiben.
Teil der Rettungskette im Landkreis Wittenberg
Die Notfallseelsorge ist fester Bestandteil des Hilfeleistungssystems im Landkreis Wittenberg. Alarmiert wird sie über die Leitstelle – genau wie Feuerwehr oder Rettungsdienst.
In der Regel kommen die Notfallseelsorgerinnen und Notfallseelsorger dann zum Einsatz, wenn die unmittelbare Gefahrenabwehr abgeschlossen ist. Während sich Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst um die technische und medizinische Hilfe kümmern, widmet sich die PSNV den Menschen, die emotional von der Situation betroffen sind.
Auch bei größeren Schadenslagen oder Katastrophen ist die Notfallseelsorge Teil der Einsatzorganisation und arbeitet eng mit allen beteiligten Behörden und Organisationen zusammen.
Zuhören statt große Worte
Viele stellen sich die Frage, ob man in solchen Situationen überhaupt die richtigen Worte finden kann.
Die Antwort von Theresa Pabst-Clemens überrascht: Oft braucht es gar keine großen Worte. Entscheidend sei vielmehr, präsent zu sein, gemeinsam auszuhalten und den Menschen in einer Situation, die ihnen den Boden unter den Füßen weggezogen hat, wieder ein Stück Orientierung zu geben.
Gerade diese ruhige, strukturierende Begleitung macht die Arbeit der Notfallseelsorge so wertvoll.
Ehrenamt mit Verantwortung
Die Notfallseelsorge im Landkreis Wittenberg lebt vom ehrenamtlichen Engagement. Wer Teil des Teams werden möchte, wird nicht einfach ins kalte Wasser geworfen.
Vor jedem Einstieg steht ein persönliches Gespräch. Anschließend absolvieren Interessierte eine rund 180-stündige Ausbildung in der Psychosozialen Notfallversorgung. Neben Gesprächsführung und Einsatzabläufen spielen dabei auch Selbstreflexion, Biografiearbeit sowie der Umgang mit Tod und Trauer eine wichtige Rolle.
Ebenso selbstverständlich gehören regelmäßige Fortbildungen, Supervisionen und Teambesprechungen dazu. Niemand bleibt mit belastenden Einsätzen allein.
Wer kann mitmachen?
Die Notfallseelsorge sucht regelmäßig neue ehrenamtliche Mitstreiterinnen und Mitstreiter.
Voraussetzungen sind unter anderem:
- Interesse an der Arbeit mit Menschen in Krisensituationen
- psychische und körperliche Belastbarkeit
- Lebenserfahrung
- Teamfähigkeit
- Bereitschaft zur Aus- und Fortbildung
In der Regel richtet sich das Angebot an Menschen zwischen 25 und 65 Jahren. Eine Kirchenmitgliedschaft ist ausdrücklich keine Voraussetzung. Die Notfallseelsorge begleitet Menschen unabhängig von Religion oder Weltanschauung.
Jetzt reinhören
Wie läuft ein Einsatz der Notfallseelsorge eigentlich ab? Wie verarbeitet man belastende Situationen selbst? Warum ist Zuhören manchmal wichtiger als Reden? Und weshalb sind die Notfallseelsorgerinnen und Notfallseelsorger oft die Letzten, die einen Einsatzort verlassen?
Über all diese Fragen spricht Theresa Pabst-Clemens ausführlich in der aktuellen Folge von „Passierschein A38“.
Kontakt zur Notfallseelsorge im Landkreis Wittenberg
Wer sich für die Arbeit der Notfallseelsorge oder der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) interessiert oder sich ein ehrenamtliches Engagement vorstellen kann, erhält weitere Informationen direkt bei der Teamleitung.
Theresa Pabst-Clemens
E-Mail: notfallseelsorge@kirchenkreiswittenberg.de
Telefon: 0176 954 641 53
Weitere Informationen gibt es außerdem auf der Internetseite des Kirchenkreises Wittenberg:
https://www.kirchenkreis-wittenberg.de/arbeitsbereiche/ehrenamt/angebote-ehrenamt/notfallseelsorge.html
Oder natürlich in der aktuellen Podcastfolge von „Passierschein A38“, die auf Spotify, Apple Podcasts, Amazon Music und überall dort verfügbar ist, wo es Podcasts gibt.






