Der Landkreis Wittenberg erweitert seine Angebote im Kinderschutz um einen neuen digitalen Zugang: den Kinderschutzmeldebogen. Kinder und Jugendliche können sich ab sofort über einen Online-Fragebogen an das Jugendamt wenden, wenn sie zu Hause oder in ihrem Umfeld Situationen erleben, die ihnen Angst machen, sie belasten oder bei denen sie sich nicht sicher fühlen. Auch Hinweise auf eine mögliche Gefährdung eines anderen Kindes oder Jugendlichen können auf diesem Weg übermittelt werden.
Das Angebot richtet sich insbesondere an Schülerinnen und Schüler ab der 5. Klasse bis zum 18. Lebensjahr. Es soll einen zusätzlichen und möglichst niedrigschwelligen Weg schaffen, Hilfe zu suchen. Denn nicht immer fällt es leicht, über Probleme in der Familie, Gewalt oder sehr persönliche Erlebnisse mit einer anderen Person zu sprechen.
Ein zusätzlicher Weg, sich Hilfe zu holen
Kinder und Jugendliche haben jederzeit das Recht, sich selbst an das Jugendamt zu wenden. Bislang geschieht dies vergleichsweise selten. Häufig sind zunächst beispielsweise Schulsozialarbeiter, Lehrer oder andere Vertrauenspersonen die ersten Ansprechpartner.
Gerade bei belastenden oder mit Scham und Angst verbundenen Themen kann die Hemmschwelle jedoch hoch sein. Dazu können körperliche oder seelische Gewalt, Vernachlässigung oder sexuelle Übergriffe gehören. Der digitale Kinderschutzmeldebogen soll deshalb eine weitere Möglichkeit bieten, die eigenen Sorgen zunächst online mitzuteilen – unabhängig von Öffnungszeiten und ohne vorherige Anmeldung im Serviceportal.
Der Fragebogen greift beispielsweise Situationen auf wie:
- körperliche Gewalt,
- Beleidigungen, Anschreien oder Einsperren,
- unerwünschte Berührungen, Küsse oder die Anfertigung von Bildern ohne Kleidung,
- zu wenig Essen oder Kleidung sowie das Alleingelassenwerden.
Dabei gilt: Niemand muss zunächst selbst einschätzen können, ob bereits eine konkrete Kindeswohlgefährdung vorliegt. Auch Sorgen, Unsicherheit und das Gefühl, dass etwas nicht stimmt, können Anlass sein, sich Unterstützung zu holen.
Zwei unterschiedliche Meldewege beim Kinderschutzmeldebogen
Über die Kinderschutzseite des Landkreises stehen zwei digitale Fragebögen zur Verfügung.
„Es geht um mich“ richtet sich an Kinder und Jugendliche, die selbst etwas erleben, das ihnen Sorgen oder Angst macht.
„Es geht um jemand anderen“ kann genutzt werden, wenn sich jemand Sorgen um ein anderes Kind oder einen anderen Jugendlichen macht und diese Beobachtungen dem Jugendamt mitteilen möchte.
Vor Beginn des jeweiligen Fragebogens müssen zunächst die Hinweise zum Datenschutz zur Kenntnis genommen werden. Eine Anmeldung im Serviceportal ist für das Ausfüllen nicht erforderlich.
Die beiden Fragebögen sind über die Seite
„Du bist nicht allein – Hilfe für Kinder“ erreichbar:
https://www.landkreis-wittenberg.de/kinderschutz-du-bist-nicht-allein/
Was passiert nach einer Meldung?
Eine übermittelte Mitteilung geht beim Jugendamt des Landkreises Wittenberg ein. Dort werden die Angaben fachlich bewertet und die nächsten notwendigen Schritte geprüft.
Je nach Situation können zunächst weitere Informationen eingeholt werden. Dazu kann beispielsweise gehören, Kontakt mit den Eltern, der Schule oder anderen beteiligten Stellen aufzunehmen. Das betroffene Kind wird deshalb nicht in jedem Fall unmittelbar als Erstes kontaktiert. Entscheidend ist immer die jeweilige Situation und die Frage, wie eine mögliche Gefährdung fachlich eingeschätzt und beendet werden kann.
Welche Unterstützung anschließend notwendig ist, lässt sich nicht pauschal festlegen. In Betracht kommen beispielsweise Beratungsangebote, Hilfen zur Erziehung oder spezialisierte Unterstützungsangebote, etwa bei familiären Problemen, Schulvermeidung, Sucht oder sexualisierter Gewalt. Wenn es zum Schutz eines Kindes erforderlich ist, können darüber hinaus weitergehende Maßnahmen bis hin zu einer Inobhutnahme notwendig werden.
Der digitale Fragebogen bedeutet deshalb nicht automatisch, dass eine bestimmte Maßnahme eingeleitet wird. Er sorgt zunächst dafür, dass eine Sorge oder ein Hinweis das Jugendamt erreicht und dort fachlich geprüft werden kann.
Wichtig ist: Der Kinderschutzmeldebogen wird ernst genommen
Mit dem neuen Angebot verbindet der Landkreis vor allem eine klare Botschaft: Wer sich mit seinen Sorgen an das Jugendamt wendet, soll sich darauf verlassen können, dass die Mitteilung dort ankommt, geprüft und bearbeitet wird.
Der digitale Kinderschutzmeldebogen ergänzt damit die bestehenden persönlichen und telefonischen Hilfsangebote. Er soll insbesondere Kindern und Jugendlichen einen Weg eröffnen, die sich vielleicht noch nicht trauen, unmittelbar mit einer anderen Person über ihre Erlebnisse zu sprechen.
Wer seine Sorgen lieber direkt schildern möchte, erreicht den Kinderschutz des Landkreises unter der Telefonnummer 03491 806-2211.
Bei einer akuten Gefahr sind die Notrufnummern 110 beziehungsweise 112 zu wählen.
Kinderschutzfachtag am 12. November
Auch fachlich steht das Thema Kinderschutz in den kommenden Wochen im Mittelpunkt: Am 12. November 2026 findet der Kinderschutzfachtag des Landkreises Wittenberg statt. Weitere Informationen zum Programm und zur Veranstaltung werden gesondert bekannt gegeben.