Landrat informiert sich über Hausarztsprechstunde in Vockerode

MdB Sepp Müller, MdL Karin Tschernich-Weiske, Landrat Christian Tylsch und Oranienbaum-Wörlitz' Bürgermeister Maik Strömer begrüßten Hausarzt Dr. Jörg Faust in seinen Praxisräumen im Gemeindezentrum Vockerode.
© Landkreis Wittenberg/Younes

Viele Orte auf dem Land suchen nach Wegen, die hausärztliche Versorgung zu sichern. In Vockerode läuft seit Jahresbeginn ein praktischer Versuch: Der Dessauer Internist Dr. Jörg Faust betreibt im Gemeindezentrum eine kleine Außenstelle seiner Praxis. Beim Besuch vor Ort wollten sich Vertreter aus Kommune, Landkreis sowie Landes- und Bundespolitik ansehen, wie das Modell funktioniert.

Faust pendelt dafür zwischen seiner Praxis in Dessau und der Nebenbetriebsstätte in Vockerode. Dienstags am Vormittag und donnerstags am Nachmittag ist er im Gemeindezentrum erreichbar. Für viele Einwohner ist das eine deutliche Erleichterung, nachdem es im Ort über längere Zeit keine hausärztliche Versorgung mehr gegeben hatte.

„Die Vockeroder sind interessiert. Ich werde jetzt nicht direkt überrollt, aber man spürt, dass ein Bedarf besteht und gedeckt wird. Die Leute freuen sich, dass hier was passiert”, so der Mediziner. Die Idee für die zusätzliche Sprechstunde entstand aus Gesprächen zwischen dem Arzt und dem Oranienbaum-Wörlitzer Bürgermeister Maik Strömer.

MdB Sepp Müller, MdL Karin Tschernich-Weiske, Landrat Christian Tylsch und Oranienbaum-Wörlitz' Bürgermeister Maik Strömer begrüßten Hausarzt Dr. Jörg Faust in seinen Praxisräumen im Gemeindezentrum Vockerode.
© Landkreis Wittenberg/Baumbach

Die Kommune stellte Räume im Gemeindezentrum zur Verfügung und unterstützte bei der Einrichtung der Praxis. Strömer sieht darin einen pragmatischen Weg, um Versorgungslücken zu schließen. „Gerade in kleineren Orten muss man manchmal ungewöhnliche Lösungen ausprobieren. Dass ein Arzt eine Außenstelle im Gemeindezentrum betreibt, ist dafür ein gutes Beispiel“, sagt er.

Hausarztsprechstunde sichert medizinische Versorgung

Beim Praxisbesuch waren auch Landrat Christian Tylsch, die Landtagsabgeordnete Karin Tschernich-Weiske sowie der Bundestagsabgeordnete Sepp Müller dabei. Sie wollten sich ein Bild davon machen, wie das Angebot angenommen wird und welche Erfahrungen es bislang gibt.

Landrat Christian Tylsch ordnet das Projekt in eine größere Entwicklung ein. Die Sicherung der medizinischen Versorgung sei für viele Landkreise eine zentrale Herausforderung. Neben klassischen Hausarztpraxen würden deshalb zunehmend neue Modelle diskutiert und erprobt.

„Wir investieren als Landkreis viel in neue Ansätze im Rettungsdienst, etwa mit den Gemeindenotfallsanitätern. Aber wir wissen auch: Viele Einsätze entstehen inzwischen, weil die hausärztliche Versorgung dünner geworden ist. Umso wichtiger sind Initiativen wie hier in Vockerode. Deshalb gilt mein Dank besonders Bürgermeister Maik Strömer und Ortsteilbürgermeisterin Nicole Mattern und allen Beteiligten vor Ort. Dass dies inzwischen bereits die dritte Sprechstunde ist, die auf sein Betreiben nach Oranienbaum-Wörlitz gekommen ist, zeigt, was möglich ist, wenn sich jemand vor Ort kümmert.“

Die Landtagsabgeordnete Karin Tschernich-Weiske betont, dass solche Modelle wichtig seien, um auf veränderte Strukturen im Gesundheitswesen zu reagieren. „Die Versorgung auf dem Land funktioniert heute oft anders als noch vor zwanzig Jahren. Deshalb brauchen wir flexible Ansätze und gute Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten.“

Neben Vockerode auch Kemberg im Blick

Auch Bundestagsabgeordneter Sepp Müller sieht Projekte wie das in Vockerode als wichtigen Baustein für die medizinische Versorgung im ländlichen Raum. „Es geht darum, Ärzte zu unterstützen, wenn sie bereit sind, neue Wege zu gehen – etwa mit Außenstellen oder Kooperationen“, sagt er. Mit Blick auf andere Orte in der Region verweist Müller darauf, dass es zuletzt auch in Kemberg Fortschritte gegeben habe.

Dort sei es nach intensiven Gesprächen und mit Unterstützung eines Medizinischen Versorgungszentrums gelungen, eine Nachfolgerin für die bisher geschlossene Praxis zu finden. Parallel dazu würden weiterhin Gespräche mit weiteren Ärzten geführt, um die Versorgung langfristig zu stabilisieren.

In Vockerode ist die Entwicklung positiv angelaufen. Nach Angaben von Dr. Faust wird das Angebot gut angenommen. Die derzeitigen Sprechzeiten versteht er deshalb als Einstieg. „Ich bin sehr gerne Arzt. Und die Patientinnen und Patienten sind in der Stadt ja ähnlich wie auf dem Dorf – mit dem Unterschied: In Dessau-Roßlau ist die ärztliche Versorgung einfach in Zahlen besser. Der Patient rund um Vockerode hat aber den gleichen Anspruch auf eine gute medizinische Versorgung. Wenn ich da helfen kann, dann ist doch das prima“, so der Internist.

Für die Verantwortlichen vor Ort ist das Projekt damit vor allem ein praktischer Versuch: zu zeigen, dass auch kleinere Orte wieder medizinische Anlaufstellen bekommen können – wenn Arzt, Kommune und Politik an einem Strang ziehen.