Ab 1. Juli: Gemeindenotfallsanitäter im Landkreis Wittenberg

Ab 1. Juli: Gemeindenotfallsanitäter im Landkreis Wittenberg

Gemeindenotfallsanitäter und Landrat

Nur noch wenige Tage, dann geht der Landkreis Wittenberg neue Wege, um die Notfallmedizin im ländlichen Raum schneller zu machen. „Wir führen zum 1. Juli den neuen Gemeinde-Notfallsanitäter für den Landkreis ein. Der wird in Gräfenhainichen stationiert, kann aber kreisweit zum Einsatz kommen. Und es ist nicht die Neuauflage der Gemeindeschwester, sondern hier arbeitet ein hochprofessioneller Kollege in der Notfall- und Rettungsmedizin, den wir neben Rettungswagen und Notarzt einsetzen“, erklärt Landrat Christian Tylsch.

Die Gemeinde-Notfallsanitäter verfügen über mindestens zwei Jahre Berufserfahrung als Notfallsanitäter im Regelrettungsdienst und haben dann mehr als 160 Stunden zusätzliche spezifische Ausbildung über das Frühjahr erhalten. Zum Einsatz kommen sie mit einem speziellen Fahrzeug, vergleichbar mit einem Notarzt-Einsatzfahrzeug.

Bislang waren in Gräfenhainichen ein Rettungswagen und ein Notarzt-Einsatzfahrzeug im Einsatz. Ab 1. Juli wird es Verstärkung geben. Ein zusätzlicher Kollege im 12-Stunden-Schichtdienst wird dann bei bestimmten Einsätzen ausrücken, die keinen Transport des Patienten in ein Krankenhaus nötig erscheinen lassen.

Im Landkreis Wittenberg wird das Rettungsdienstnetz nun enger geknüpft. Die Entscheidung fiel auf ein innovatives Rettungsinstrument, welches in Sachsen-Anhalt bislang einzigartig ist. „Nicht jeder Vorfall erfordert den Transport einer Person ins Krankenhaus“, äußert sich Christian Tylsch, der Landrat, bezüglich des Pilotprojekts, das vom Landkreis initiiert wurde. „Dank des Einsatzes von Gemeinde-Notfallsanitätern verfügen wir über die geeigneten Ressourcen, um die bereits hohe Qualität aufrechtzuerhalten und sogar zu steigern, während wir gleichzeitig Kosten eindämmen. Sollte sich dieses Konzept bewähren, planen wir, es auch in weiteren Teilen des Landkreises umzusetzen“, fügt das Verwaltungsoberhaupt hinzu.
Die Entscheidung, welches Rettungsmittel bei bestimmten medizinischen Zuständen eingesetzt wird, wurde vom ärztlichen Leiter des Rettungsdienstes im Landkreis Wittenberg getroffen. Es gibt gesetzliche Vorgaben, wonach ein Rettungswagen innerhalb von zwölf Minuten nach Notfallerkenntnis in der Leitstelle beim Patienten eintreffen sollte. In ländlichen Gegenden kann diese Zeitvorgabe aufgrund von langen Anfahrtswegen oder gleichzeitig stattfindenden Einsätzen nicht immer eingehalten werden. Das Konzept des Gemeinde-Notfallsanitäters zielt darauf ab, diese Herausforderung zu mildern.

Der Mitarbeiter ist in der Lage, am Einsatzort eine notfallmedizinische Betreuung anzubieten, die der eines Rettungswagen-Teams gleichkommt. Welcher Mitarbeiter zu einem Einsatz gerufen wird, wird von versierten Disponenten in der Integrierten Leitstelle für Feuerwehr und Rettungsdienst entschieden. Diese Disponenten sind sowohl in den Bereichen Feuerwehr als auch Rettungsdienst ausgebildet und nehmen regelmäßig an Fortbildungen teil.
Es besteht kein Grund zur Besorgnis, dass ein Rettungswagen nicht mehr kommen wird. „Der Disponent in der Leitstelle wird weiterhin das am besten geeignete Rettungsmittel zum Einsatzort schicken – nur hat er nun eine zusätzliche Option. Wir nehmen kein vorhandenes Rettungsmittel aus dem Bestand, wir ersetzen auch keines. Wir fügen lediglich ein neues hinzu. Dies fügt sich nahtlos in die kontinuierliche Stärkung des Rettungsdienstes im Landkreis Wittenberg ein, die in den letzten Jahren verfolgt wurde, um die Hilfsfristen weiter zu optimieren“, erklärt Christian Tylsch.

„Darüber hinaus berücksichtigen wir auch eine andere Situation: Nicht nur die medizinische Versorgung der Bevölkerung wird verbessert, sondern wir begegnen auch dem Fachkräftemangel im Rettungsdienst, indem lediglich eine Person im Fahrzeug benötigt wird.“

Die Zusammenarbeit mit dem Innenministerium lobt der Verwaltungschef ausdrücklich. „Ich danke der Ministerin für die zielorientiere, pragmatische und schnelle Zusammenarbeit, um dieses Modellprojekt möglich zu machen.“
„Es erfüllt mich mit Freude und Dankbarkeit, dass das Innenministerium des Landes Sachsen-Anhalt ebenso offen ist, neue und gelegentlich auch unkonventionelle Ansätze zu verfolgen, so wie wir es tun“, würdigt Landrat Christian Tylsch das Engagement der Ministerin. „Die Versorgung im Rettungsdienst in ländlichen Gebieten stellt stets eine erhebliche Herausforderung dar und wir sind der Überzeugung, dass wir mit dem Gemeinde-Notfallsanitäter eine maßgebliche Lücke schließen. Bislang verfügten wir im landgestützten Rettungsdienst über zwei Instrumente, jetzt haben wir drei hochspezialisierte Fahrzeugtypen, die der Disponent in der Leitstelle situationsabhängig einsetzen kann“, führt Tylsch aus.
Im Bereich der Rettungswache Gräfenhainichen sollen jetzt Erfahrungen gesammelt werden. Das Pilotprojekt, für welches ab Juli 2023 in der DRK-Rettungswache in Gräfenhainichen ein zusätzlicher Mitarbeiter täglich zwischen 7 und 19 Uhr im Einsatz sein wird, ist auf eine Dauer von zwei Jahren angelegt, nach deren Ablauf eine Auswertung erfolgen soll.