Historisches Archiv Oranienbaum-Wörlitz künftig im Kreisarchiv Wittenberg

Drei Menschen lächeln inmitten einer Menge von Archivsachen.
© Landkreis Wittenberg / Baumbach

Stadt und Landkreis arbeiten bei der dauerhaften Sicherung von rund 200 laufenden Metern Archivgut zusammen

Die Stadt Oranienbaum-Wörlitz und der Landkreis Wittenberg arbeiten künftig noch enger bei der Bewahrung des historischen Erbes der Region zusammen. Landrat Christian Tylsch und Bürgermeister Maik Strömer unterzeichneten am 2. Oktober 2026 in Oranienbaum-Wörlitz einen Depositalvertrag. Auf dessen Grundlage werden rund 200 laufende Meter historisches Archivgut der Stadt Oranienbaum-Wörlitz künftig im Kreisarchiv Wittenberg verwahrt. Organisatorisch mit vorbereitet wurde der Umzug der Akten von Mitarbeiterin Vanessa Wilde.

Der Bestand umfasst insgesamt rund 1.200 Archivschachteln mit etwa 3.580 Akten. Dazu gehören insbesondere Unterlagen der früheren Städte Oranienbaum und Wörlitz, der Gemeinden Brandhorst, Gohrau, Griesen, Horstdorf, Kakau, Rehsen, Riesigk und Vockerode sowie der ehemaligen Verwaltungsgemeinschaft Wörlitzer Winkel.

Die historische Überlieferung stammt im Wesentlichen aus den Jahren 1950 bis 2010. Hinzu kommen archivwürdige Unterlagen der Stadt Oranienbaum-Wörlitz seit ihrer Bildung im Jahr 2011 sowie historische Sammlungsbestände, darunter insbesondere Amtsblätter.

Zusammenarbeit seit 2025 vorbereitet

Der Übergabe ging eine umfangreiche fachliche Vorbereitung voraus. Bereits im September 2025 nahmen Mitarbeiter der Stadt Oranienbaum-Wörlitz und des Landkreises Wittenberg die vorhandenen Bestände gemeinsam auf. In mehreren weiteren Beratungsterminen und Abstimmungen wurde anschließend ermittelt, welche Unterlagen dauerhaft erhalten werden müssen.

Die zur Übernahme vorgesehenen Bestände wurden auf ihre Archivwürdigkeit geprüft und entsprechend bewertet.

Bei der Vereinbarung handelt es sich um ein sogenanntes Depositum. Das bedeutet: Die historischen Unterlagen werden dem Kreisarchiv zur fachgerechten Verwahrung und Nutzung übergeben, bleiben aber weiterhin Eigentum der Stadt Oranienbaum-Wörlitz.

„Wir haben mit dem neuen Kreisarchiv moderne Bedingungen geschaffen, von denen nicht nur der Landkreis selbst profitieren soll. Ich freue mich deshalb besonders, dass mit Oranienbaum-Wörlitz nun auch eine unserer Städte diese Möglichkeiten nutzt“, sagte Landrat Christian Tylsch. „Das ist interkommunale Zusammenarbeit ganz praktisch: Wir bündeln Fachwissen, nutzen vorhandene Infrastruktur gemeinsam und sorgen dafür, dass ein wichtiger Teil unserer regionalen Geschichte dauerhaft gesichert und zugänglich bleibt.“

Auch Bürgermeister Maik Strömer sieht in der Zusammenarbeit einen deutlichen Vorteil für seine Stadt: „Für uns ist diese Vereinbarung eine echte Entlastung. Wir können unser historisches Archiv unter professionellen Bedingungen verwahren lassen und dabei auf die Infrastruktur und das Fachwissen des Kreisarchivs zurückgreifen. Stadt und Landkreis arbeiten hier Hand in Hand.“

Moderne Bedingungen für historische Unterlagen

Mit dem neuen Kreisarchiv am Kurfürstenring in Lutherstadt Wittenberg verfügt der Landkreis seit diesem Jahr über moderne Bedingungen für die dauerhafte Aufbewahrung von Archivgut. Das Gebäude wurde am 19. Juni 2026 offiziell eingeweiht.

Rund 1.110 Quadratmeter Magazinfläche bieten Platz für insgesamt etwa 8.000 laufende Meter Archivgut. Hinzu kommen moderne Arbeits- und Nutzerbereiche sowie ein Lesesaal, in dem Archivbestände eingesehen werden können.

Von diesen Möglichkeiten profitieren nun auch die historischen Bestände aus Oranienbaum-Wörlitz. Neben der fachgerechten Lagerung ergeben sich durch die Zusammenarbeit weitere Synergien – etwa bei der Digitalisierung, der elektronischen Langzeitarchivierung, bei Maßnahmen zur Bestandserhaltung oder bei gemeinsamen Bildungsprojekten.

Geschichte bewahren und zugänglich machen

Kommunalarchive bewahren einen wichtigen Teil des historischen Gedächtnisses einer Region. Akten, Karten, Pläne, Fotografien und weitere Dokumente geben Auskunft über politische Entscheidungen, gesellschaftliche Veränderungen, wirtschaftliche Entwicklungen und das Leben vor Ort.

Die Aufgabe eines Archivs besteht deshalb nicht allein darin, alte Unterlagen aufzubewahren. Die Bestände werden fachgerecht erhalten, erschlossen und für Forschung, Bildungsarbeit sowie für interessierte Bürger zugänglich gemacht.

Mit der Zusammenarbeit zwischen Oranienbaum-Wörlitz und dem Landkreis Wittenberg werden dafür künftig vorhandene Strukturen und Fachwissen gemeinsam genutzt – ein Beispiel dafür, wie interkommunale Zusammenarbeit Ressourcen bündeln und gleichzeitig die Qualität kommunaler Aufgaben sichern kann.