“Irgendwas in mir …” – Hendrik von Drachenfels
Autorenlesung, Lutherstadt Wittenberg, 26.03.2026
„Irgendwas in mir …. Wollte raus, wollte allein sein, in Sicherheit sein, aber es ging nicht .… Ich war nur noch ein Schatten meiner selbst …“
„Irgendwas in mir … trat wieder die Flucht an …“
So beschreibt Autor Hendrik von Drachenfels am Donnerstagabend den ca. 60 Anwesenden die Belastung als Schüler, wenn er nur an den Schulbesuch dachte. Neben Eltern, Schülerinnen und Schülern folgten auch Vertreter aus Schule, Jugendhilfe und Medizin/Psychotherapie der Einladung des Ortsbündnisses “LernLust.Jetzt!”. Der Autor las Passagen aus seinem Buch “Irgendwas in mir”, nahm die Zuhörenden eindrucksvoll in seine Gefühls- und Gedankenwelt mit und gab Hintergrundinformationen zum Thema Schulabsentismus.
Skizziert wurde der Weg vom ersten Angstmoment über die zaghaften Annäherungsversuche bis zur kleinschrittigen Rückkehr in das Schulgebäude und später den Unterricht; immer an seiner Seite der Schulbegleiter, der ihm den Rücken stärkte. Ein Jahr sah von Drachenfels seine Schule nicht von innen. Heute ist er selbst Grundschullehrer und nutzt seine Geschichte und seine Erfahrungen, um Menschen für das Thema Schulangst zu sensibilisieren und Betroffenen zu helfen.
Von Drachenfels betonte sowohl in seiner Geschichte als auch aus seiner beruflichen Erfahrung die Komplexität von Ursachen, die bei Kindern und Jugendlichen zu schulvermeidendem Verhalten führen können. Die Trennung der Eltern, der von ihnen ausgeübte Leistungsdruck und auch ein Stück weit “kein Bock” waren bei ihm die Gründe für regelmäßige Bauchschmerzen, wenn er sich morgens auf den Weg zum Gymnasium machen sollte. Genauso komplex war das System, das ihm die Rückkehr ins Schulwesen möglich machte: Therapie, Schulbegleitung, positive Erlebnisse im Vereinssport, eine kooperative Schule und seine ihn unterstützende Mutter boten ihm den Halt, den er benötigte. Gleichzeitig stellte von Drachenfels auch klar, dass sein Weg kein Allgemeinrezept sein könne. Jeder Einzelfall bedürfe eines angepassten Vorgehens.
Was nehmen wir mit?
Die Früherkennung ist entscheidend, das Hinschauen von Eltern und auch von Pädagogen und der gemeinsame Weg darüber zu sprechen und nach individuellen Lösungen zu suchen, um nicht in eine verfestigte Form des Schulabsentismus zu münden.
Jeder noch so kleine Schritt zählt und ist ein Erfolg!
„Schritt für Schritt der Angst entgegen!“ – Das war das Erfolgsrezept für die erfolgreiche Wiedereingliederung in die Schule. Aber dabei zuerst genau prüfen, woher die Hauptangst eigentlich stammt.
Schulabsentismus tritt in sensiblen Entwicklungsphasen von Kindern und Jugendlichen gehäuft auf, besonders wenn die familiären Bezugspersonen vielleicht nicht ausreichend zur Verfügung stehen. Nicht selten können dann außen Stehende mehr bewirken, als sie denken.
Mehr Hinschauen, frühzeitig wachsamer sein und Rückschritte nur als Anlauf für den nächsten Schritt nach vorn zu sehen!
Das veranstaltende Ortsbündnis „LernLust.Jetzt!“ (Mitwirkende sind die Beratungsstelle ENTER vom Internationalen Bund Wittenberg, die Netzwerkstelle „Schulerfolg sichern“ vom Landkreis Wittenberg, die Praxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie Wittenberg im Paul Gerhardt Stift und die Schulsozialarbeit der Rosa-Luxemburg Schule) ist sehr dankbar über die gelungene Veranstaltung. Daran soll angeknüpft werden und weitere Formate sind in Planung. Mitstreiter sind gern willkommen, bei Interesse gern melden unter lernlust.wittenberg@gmx.de
Vielen Dank an den Verein „Katharina von Bora“ e.V. (weitere Infos zum Verein unter https:// katharinavonbora.de) für die finanzielle Unterstützung und dem Evangelisches Krankenhaus Paul Gerhardt Stift für die Nutzung der Räumlichkeiten.