Mit der Übergabe des Förderschecks durch Bundesumweltminister Carsten Schneider und Sachsen-Anhalts Umweltminister Prof. Dr. Armin Willingmann ist das Naturschutzgroßprojekt Mittelelbe-Schwarze Elster offiziell in die Umsetzungsphase gestartet. Zwischen Pretzsch, Jessen und Gallin im Landkreis Wittenberg werden in den kommenden zehn Jahren Auenlandschaften des Biosphärenreservats Mittelelbe wiederhergestellt und der Wasserrückhalt in der Region verbessert. Insgesamt stehen dafür rund 71 Millionen Euro aus Bundes- und Landesmitteln sowie Eigenmitteln der Heinz Sielmann Stiftung zur Verfügung.





Der Start der Umsetzung wurde am Dienstag, 12. Mai 2026, im Beisein von Bundesumweltminister Carsten Schneider und Sachsen-Anhalts Umweltminister Prof. Dr. Armin Willingmann begangen. Trägerin des Projekts ist die Heinz Sielmann Stiftung. Im Projektgebiet entlang der Elbe und Schwarzen Elster sollen unter anderem abgeschnittene Altarme und Altwässer wieder an die Flussläufe angebunden werden. Ziel ist es, typische Lebensräume der Auenlandschaft zu stärken und natürliche Prozesse wieder zu ermöglichen.
Wasserrückhalt, Artenvielfalt und Klimaschutz
Das Projekt ist gleichzeitig ein Einzelvorhaben im Rahmen des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz (ANK) der Bundesregierung, wie Bundesumweltminister Carsten Schneider hervorhob: „Intakte Auen sind überlebenswichtig für viele Tierarten, aber sie tun auch uns Menschen gut. Hier kann man die Schönheit der Natur unmittelbar erleben. Zugleich sind intakte Auen ein wirksamer Schutz für uns Menschen vor den Folgen des Klimawandels. Sie speichern Wasser, binden Kohlenstoff und wirken ausgleichend auf extreme Wetterereignisse wie Hochwasser und Dürre. Die Wiederherstellung der Flussauen entlang der Mittelelbe und der Schwarzen Elster ist ein zentraler Baustein für die naturnahe Entwicklung der Elbaue. Damit stärken wir das große Netz der natürlichen Infrastruktur, das wir erhalten und für den Klimawandel fit machen wollen.“
Von der geplanten Wiederherstellung und Verbesserung auentypischer Lebensräume profitieren zahlreiche Tier-, Pflanzen- und Pilzarten, aber auch der Mensch – etwa durch einen verbesserten Wasserrückhalt in Trockenperioden. Das betonte auchProf. Dr. Armin Willingmann, Umweltminister von Sachsen-Anhalt: „Das Projekt ist ein großer Gewinn für Sachsen-Anhalt. In den kommenden Jahren werden der Wasserrückhalt von Elbe und Schwarzer Elster nachhaltig verbessert und die Artenvielfalt gestärkt. Das ist umso wichtiger, weil der Klimawandel auch in Sachsen-Anhalt fortschreitet und das Land schon heute zu den trockensten Bundesländern zählt. Wasser wird selbst in den Auenlandschaften zunehmend zur Mangelware, ist aber für die Kulturlandschaft und damit auch für die Landwirtschaft vor Ort existenziell.“
Enge Zusammenarbeit mit Menschen in der Region
Aus Sicht der Heinz Sielmann Stiftung zeigt das Projekt beispielhaft, wie Naturschutz, Klimaschutz und die Interessen regionaler Akteure zusammengebracht werden können. Jochen Paleit, Vorstandsvorsitzender der Heinz Sielmann Stiftung, sagte: „So ein großes und umfangreiches Projekt durchzuführen funktioniert nur, wenn man den Rückhalt der Menschen in der Region hat. Bereits in der dreieinhalbjährigen Planungsphase konnten wir auf die positive Erwartung in der Bevölkerung bauen. Den engen Austausch mit allen Anwohnern und Akteuren vor Ort werden wir weiter fortführen. Gemeinsam haben wir in den nächsten zehn Jahren viel vor!“
Christian Tylsch, Landrat des Landkreises Wittenberg, erhofft sich von dem Projekt auch insgesamt positive Impulse für die Regionalentwicklung: „Das Naturschutzgroßprojekt zeigt, dass wir die Entwicklung unserer Auenlandschaft nur gemeinsam voranbringen können. Die Region lebt seit jeher vom Zusammenspiel aus Natur und Nutzung – genau daran müssen wir anknüpfen. Wenn es gelingt, Naturschutz, Wasserhaushalt und die Belange der Landwirtschaft gut miteinander zu verbinden, liegt in diesem Projekt eine große Chance für eine stabile und zukunftsfähige Entwicklung unserer Landschaft. Entscheidend wird sein, dass wir diesen Weg transparent, verlässlich und im engen Austausch mit den Menschen vor Ort gehen.“
Langjährige Vorarbeit und Perspektiven
Das Naturschutzgroßprojekt knüpft an jahrzehntelange fachliche Vorarbeiten in der Region an, um Lösungen gegen die fortschreitende Sohleintiefung der Elbe zu entwickeln. Im Rahmen des Projekts werden nun auf einem Gebiet von rund 4.500 Hektar umfassende Maßnahmen zur Stabilisierung der Gewässer sowie zur Stärkung der Auenlandschaft umgesetzt. Auch ausgewählte Grünlandflächen werden ökologisch aufgewertet, um Lebensräume gezielt zu verbessern und die Biodiversität zu stärken. Ein ebenfalls geplanter Beobachtungsturm und Informationstafeln sollen das Projektgebiet für die Öffentlichkeit erlebbar machen.
Die geplanten Maßnahmen erfolgen in enger Zusammenarbeit mit dem Biosphärenreservat Mittelelbe sowie in Abstimmung mit der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes und dem Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt. Das Naturschutzgroßprojekt liefert damit einen bedeutenden Beitrag zur Umsetzung des Gesamtkonzeptes Elbe, das seit dem Jahr 2017 als strategisches Konzept von Bund und Ländern für die Entwicklung der deutschen Binnenelbe und ihrer Auen vorliegt.
Mehr über das Naturschutzgroßprojekt Mittelelbe-Schwarze Elster erfahren Sie hier.