Kadaverspürhunde trainieren Ernstfall bei Selbitz

Kadaverspürhunde trainierten bei Selbitz den Ernstfall: Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest.
© Landkreis Wittenberg/Baumbach

Am Freitagmittag wurde es im Waldgebiet bei Selbitz ungewöhnlich still – zumindest für Spaziergänger. Denn während andere dort Erholung suchen, trainierten Einsatzkräfte des Landkreises Wittenberg und ihre Kadaverspürhunde für einen möglichen Ernstfall: den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP).

Vor Ort traf die Amtliche Tierärztin Juliane Zahrradka gemeinsam mit zwei weiteren Mitarbeiterinnen der Kreisverwaltung auf ein Team ehrenamtlicher Kadaverspürhundeführer. Mit dabei: auch Claudia Melichar und ihre Riesenschnauzerhündin „Florida“, die bereits im Podcast „Passierschein A38“ vorgestellt wurde. Ziel der Übung war es, unter realistischen Bedingungen das Auffinden von Wildschweinresten im Gelände zu trainieren.

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Der Hintergrund ist ernst. Die Afrikanische Schweinepest ist eine hochansteckende Viruskrankheit, die ausschließlich Schweine betrifft – für den Menschen ist sie ungefährlich. Für Wild- und Hausschweinbestände sowie für die Landwirtschaft kann ein Ausbruch jedoch gravierende Folgen haben. Da infizierte Tiere häufig im Wald verenden und das Virus in Kadavern lange überlebt, ist deren schnelles Auffinden und Beseitigen ein zentraler Baustein der Seuchenbekämpfung.

Kadaverspürhunde im Einsatz: Vorsorge vor Afrikanischer Schweinepest

Genau hier kommen speziell ausgebildete Kadaverspürhunde zum Einsatz. Mit ihrem ausgeprägten Geruchssinn sind sie in der Lage, selbst kleinste Überreste von Wildschweinen aufzuspüren – auch in unwegsamem Gelände oder bei fortgeschrittener Verwesung. Bei der Übung in Selbitz wurden verschiedene Szenarien nachgestellt: Versteckte Kadaverteile mussten durch die Hunde lokalisiert und zuverlässig angezeigt werden. Für die Tiere ist das Arbeit – und gleichzeitig ein Spiel: Erfolgreiche Suche wird unmittelbar belohnt, etwa mit Futter oder dem Lieblingsspielzeug.

Die Ausbildung der Hunde erfolgt in enger Zusammenarbeit mit dem Land Sachsen-Anhalt, das auch die Kosten für die Grundausbildung übernimmt. Der Landkreis wiederum sorgt für die organisatorische Einbindung, stellt Ausrüstung bereit und ermöglicht regelmäßige Trainings. Aktuell baut der Landkreis ein Netzwerk aus einsatzfähigen Hundeteams auf, die im Ernstfall kurzfristig zur Verfügung stehen.

Parallel dazu laufen auch in der Verwaltung umfangreiche Vorbereitungen. Für den Fall eines ASP-Ausbruchs existieren klare Abläufe: von der Meldung eines Fundes über Probenahmen und Laboruntersuchungen bis hin zur Einrichtung von Sperrzonen und der Koordination von Such- und Bergungsteams. Dabei arbeitet der Landkreis eng mit Jägern, Forstbehörden und weiteren Fachstellen zusammen.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die Mithilfe der Bevölkerung. Wer ein verendetes Wildschwein findet, sollte den Fund umgehend melden – entweder direkt beim Landkreis oder außerhalb der Dienstzeiten über die Integrierte Leitstelle unter der Notrufnummer 112. Das Tier sollte keinesfalls berührt werden. Ebenso gilt: Speisereste gehören nicht in die Natur, da sie im ungünstigen Fall zur Einschleppung der Tierseuche beitragen können.

Die Übung bei Selbitz hat gezeigt: Der Landkreis Wittenberg bereitet sich gezielt und praxisnah auf mögliche Szenarien vor. Mit engagierten Mitarbeitenden, ehrenamtlicher Unterstützung und gut ausgebildeten Hunden wird ein wichtiger Beitrag zum Schutz von Tierbeständen und Landwirtschaft geleistet.

Wer mehr über die Arbeit der Kadaverspürhunde, die Hintergründe der Afrikanischen Schweinepest und die Abläufe im Ernstfall erfahren möchte, findet ausführliche Einblicke in der Folge 12 des Podcasts Passierschein A38.