1872-1880: Die neue Kreisordnung

1872-1880: Die neue Kreisordnung

Ab 1872 galt eine neue Kreisordnung, die einschneidende Neuerungen in der Verwaltung der Kreise schuf. Den Kreisen, die bis zu diesem Zeitpunkt zur Umsetzung der königlichen Erlasse, lediglich staatliche Verwaltungsbezirke waren, wurde Selbstverwaltung übertragen. Insbesondere übernahm der Kreisausschuss den ihm übertragenen Wirkungskreis der allgemeinen Landesverwaltung.

Dazu gehörten Angelegenheiten der Armenpolizei, Wegepolizei, Gewerbepolizei, Bau- und Feuerpolizei, Vorfluts-, Ent- und Bewässerungssachen, Ansiedlungs- und Dismembrationssachen, Kommunal- und Schulsachen sowie die Aufstellung der Geschworenen-Urlisten bei Wahlen.

In Ausführung der Kreisordnung erfolgte die Einteilung des Kreises Wittenberg in 12 Amtsbezirke.

Der damalige Landrat Otto Heinrich von Jagow hatte in seiner Eigenschaft als Abgeordneter gegen das Schulaufsichtsgesetz und gegen die Kreisordnung gestimmt und wurde aus diesem Grunde von der Regierung zur Disposition gestellt. Als neuer Landrat ist zunächst Dr. jur. Kurt von Koseritz kommissarisch eingesetzt worden. 1873 trat der erste Kreistag zusammen. Er hatte 29 Mitglieder. Mit Jahresbeginn 1874 nahmen der neu gewählte Kreisausschuss und Kreistag die Tätigkeit auf. Am 06. Juli 1874 wird Dr. jur. Kurt von Koseritz zum Landrat ernannt.


In seine Amtszeit fällt die Erbauung des so genannten „Kreisstände-Hauses“, dem heutigen Hauptsitz der Verwaltung des Landkreises Wittenberg. Das Grundstück Grünstraße/ Ecke Lindenstraße wurde von der Kirche erworben. Der Überlieferung zufolge befand sich hier ein städtischer Turnplatz.

In der Zeit vom 30. Juli 1878 bis zum 22. Mai 1880 erfolgte der Bau des Kreishauses in der Wittenberger Lindenstraße nach den Plänen des Architekten Franz von Schwechten. Nach seinen Plänen sind 1886 das Königliche Gymnasium in der Neustraße und ab 1876 das Empfangsgebäude des Wittenberger Bahnhofs errichtet worden.

Die erste Sitzung des Kreistages im Sitzungssaal des neuen Kreishauses fand im Dezember 1879 statt.

Sowohl Unterlagen der damaligen Kreistage als auch ein unglaublich vielfältiges Angebot an Tageszeitungen aus der Zeit ab 1852 sind für diese Epoche der Entwicklung des Kreises Wittenberg in den Beständen des Kreisarchivs Wittenberg überliefert. Die unterschiedlichsten Themen aus Gesellschaft, Politik, Wirtschaft, Kultur und Einzelschicksalen stellen die Lebenswirklichkeit dieser Zeit damit in ein unverfälschtes Bild.