Praktikum im Jugendamt

Mette Golembek (li.) und Lydia Klingner vor der Kreisverwaltung Wittenberg
©Landkreis Wittenberg - Alexander Baumbach

Ein Interview mit Schülerpraktikantin Mette Golembek in der Kreisverwaltung Wittenberg 

Mette Golembek hat gerade ein Praktikum in der Kreisverwaltung Wittenberg absolviert. Die 15-Jährige besucht die neunte Klasse in der evangelischen Gesamtschule „Philipp Melanchthon“ in der Lutherstadt Wittenberg und ist außerdem im Kreisschülerrat aktiv. An der Schnittstelle zwischen diesem Beteiligungs-Gremium und der Kreisverwaltung Wittenberg hat Pressesprecher Alexander Baumbach die Jugendliche an ihrem Schreibtisch auf Zeit besucht. 
  
Alexander Baumbach: Hallo Mette. Ist es okay, wenn wir uns dutzen? 
Mette Golembek: Ja klar. 
  
AB: Wieso hast du dich für ein Praktikum in der Kreisverwaltung Wittenberg interessiert? 
MG: Ich hatte da großes Interesse, mir mal einen Eindruck zu verschaffen, wie die Organisation von Schulen und Kitas so erfolgt. Ich interessiere mich sehr für Berufe im pädagogischen Umfeld, habe schon im Bereich Grundschule, Förderschule und Kita Praktika absolviert und da war das mal so ein Blick über den Tellerrand. 
  
AB: Und was nimmst du mit aus deiner Zeit im Jugendamt? 
MG: Oh, das war eine sehr gute Woche mit sehr interessanten Einblicken. Ich konnte im Fachdienst Jugend und Bildung in die Bereiche Bildung und Planung hineinschnuppern, hab aber auch bei einer Kollegin über die Schulter schauen dürfen, die im Bereich Schulsozialarbeit die Vorbereitung der Ferienwerkstatt organisiert, zum Beispiel indem Sie die Elternbriefe aktualisiert und verschickt. Am interessantesten war aber wahrscheinlich die Arbeit im Bereich Kita. Dort konnte ich mit einer Kollegin eine Kita hier in Wittenberg besuchen und schauen, was bei einer Betriebserlaubnis-Prüfung so alles gecheckt wird. 
  
AB: Und was ist das so? 
MG: Das sind ganz vielfältige Sachen. Das beginnt schon damit, dass man sich das Haus genau anschaut, die technischen Einrichtungen, aber dann wird natürlich auch über die Kita gesprochen, mit den Erziehern und auch mit den Kindern. Ich hab da noch mal so einiges über des Berufsbild der Erzieherinnen und Erzieher gelernt. Die vielleicht wichtigste Erkenntnis für mich war, dass diese Kita den Mittagsschlaf für die Kinder nicht verpflichtend macht, sondern das auf freiwilliger Basis anbietet. Trotzdem gibt es dann aber auch andere Regeln und Riten, die für alle bindend sind. Das gemeinsame Mittagessen zum Beispiel. 
  
AB: Wie lange hat das gedauert? War das ein tagesfüllendes Programm? 
MG: Nein. Nach dem Mittag und der Mittagspause war ich dann mit der Kollegin noch bei einer Sitzung des Vereins Reso-Witt, wo es um die Auswertung eines Treffens ging und welche Themen man in Zukunft umsetzen will. Da ging es um den Kinderschutzfachtag am 8. November, an dem auch die Kreisverwaltung wieder maßgeblich beteiligt ist. Aber auch zum Beispiel um die Kinderschutz-Stammtische. Der nächste in Wittenberg findet am 6. September bei Reso-Witt statt, am 15. November ist dann noch einer in Coswig. Die Kinderschutzstammtische sind dabei für Fachkräfte und interessierte Bürger ausgelegt.  
  
AB: Das klingt nach einer Menge Praxis. Wäre die Arbeit hier bei uns nicht auch etwas für dich? 
MG: Tatsächlich orientiere ich mich immer noch in Richtung eines pädagogischen Berufes. Aber ein guter Plan B wäre die Arbeit in der Kreisverwaltung sicherlich. Was mir hier tatsächlich sehr gut gefällt, ist die Verteilung der Arbeit: ein Teil am Computer, ein Teil draußen in der Praxis. 
  
AB: Du hast im Vorgespräch erzählt, dass du auch im Kreisschülerrat aktiv bist. Was reizt dich an dieser Aufgabe? 
MG: Dass ich, wie der Name schon sagt, für andere Schüler sprechen kann. Es gibt Schülerinnen und Schüler, die Angst davor haben, mitzureden. Ich traue mir das zu und übernehme das dann auch gern für die.  
  
AB: Da gibt es ja auch eine Schnittstelle mit der Kreisverwaltung, oder? 
MG: Ja, genau. Die Kollegin Lydia Klingner ist für uns der heiße Draht in der Kreisverwaltung, die uns bei der Gremienarbeit unterstützt. 
Lydia Klingner: Als Projekt- und Bildungskoordinatorin bin ich aber nicht nur für den Kreisschülerrat Ansprechpartnerin, sondern zum Beispiel auch für den Kreiselternrat. 
  
AB: Mit welchen Themen seid ihr da gerade beschäftigt? 
MG: Na, zum Beispiel mit der Problematik, wie Lehrer lernen, besser mit der Elektronik umgehen zu können. Oder das Verhalten von Busfahrern gegenüber Schülern, ihr Fahrverhalten, aber auch überfüllte Busse in Stoßzeiten.  
LK: Da gibt es dann auch wieder Überschneidungen zu anderen Bereichen in der Kreisverwaltung. Der Landkreis ist ja zum Beispiel Träger des ÖPNV und damit des Integrierten Schülerverkehrs. Und in genau dieser Angelegenheit planen wir da im Herbst, wenn die neue Wahlperiode gestartet ist, direkte Gespräche mit den Ansprechpartnern hier aus dem Fachdienst Ordnung und Straßenverkehr. 
  
AB: Und klappt das gut? 
MG: Die Schülervertreter sind eine große Gruppe. Da sind viele sehr motiviert dabei und engagieren sich. Es gibt aber auch vereinzelt immer mal wieder welche, wo man sich fragt, warum der oder diejenige sich hat wählen lassen. Wichtig ist eine gute Kommunikation: nicht nur während der Sitzungen untereinander, sondern auch mit der Gruppe, die man vertritt. 
  
AB: Nun ist dein Praktikum ja jetzt schon wieder beendet und in wenigen Tagen beginnen die Ferien. Was könntest du denn anderen Schülerinnen und Schülern empfehlen, warum sich ein Praktikum in der Kreisverwaltung lohnt? 
MG: Ich kann jetzt nur für mich und den Bereich Jugend und Bildung sprechen. Aber da denke ich, dass das durchaus etwas ist für Leute, die Interesse an einer Ausbildung im pädagogischen Bereich haben. Man sollte dann Interesse und ein bisschen Neugier mitbringen, und ein wenig Computerwissen. Also Word und Excel sollte man schon verstehen. 
  
AB: Vielen Dank für das interessante Gespräch, schöne Ferien und viel Erfolg bei den Prüfungen im nächsten Jahr! 
MG: Dankeschön.