Gemeinde-Notfallsanitäter

Landrat Christian Tylsch, Innenministerin Dr. Tamara Zieschang und DRK-Geschäftsführer Karsten Pfannkuch stellen bei einer Pressekonferenz im Fachdienst Brand- und Katastrophenschutz und Rettungsdienst der Kreisverwaltung Wittenberg das neue Konzept zum Gemeindenotfallsanitäter im Landkreis Wittenberg vor.
©Landkreis Wittenberg - Alexander Baumbach

Landkreis Wittenberg implementiert Modellprojekt im Rettungsdienst

Lutherstadt Wittenberg (7. Februar 2023) – Der Landkreis Wittenberg geht ab demnächst neue Wege, um die Notfallmedizin im ländlichen Raum schneller zu machen. „Zusammen mit der Innenministerin haben wir es geschafft, im Landkreis Wittenberg ein Modellprojekt zu installieren. Damit sollen im Bereich der Rettungswache Gräfenhainichen Erfahrungen gesammelt werden, wie wir bei medizinischen Notfällen schneller helfen können“, erklärt Landrat Christian Tylsch das Konzept des Gemeinde-Notfallsanitäters. 

Dafür wird es in der Rettungswache in Gräfenhainichen, die im Normalfall einen Rettungswagen und ein Notarzt-Einsatzfahrzeug bereitstellt, ab Juli Verstärkung geben. Ein zusätzlicher Kollege im 12-Stunden-Schichtdienst wird dann bei bestimmten Alarmierungen ausrücken, die keinen Transport des Verletzten in ein Krankenhaus nötig erscheinen lassen. 

„Wir machen das Netz des Rettungsdienstes im Landkreis Wittenberg noch dichter. Wir haben uns für ein völlig neues Rettungsmittel entschieden, welches es so noch nicht in Sachsen-Anhalt gibt. Nicht jeder Einsatz mündet in einen Transport ins Krankenhaus”, kommentiert Landrat Christian Tylsch das Modellprojekt, welches vom Landkreis entwickelt wurde. „Mit dem Gemeinde-Notfallsanitäter haben wir das richtige Mittel in der Hand, um die hohe Qualität zu halten und sogar noch zu erhöhen und gleichzeitig dabei noch Kosten zu vermeiden. Wenn sich das bewährt, werden wir es auch in weiteren Bereichen des Landkreises einführen“, so der Verwaltungschef. 

Die Gemeinde-Notfallsanitäter verfügen über mindestens zwei Jahre Berufserfahrung als Notfallsanitäter im Regelrettungsdienst sowie über 160h spezifische Zusatzausbildung und rücken mit einem speziellen Fahrzeug, vergleichbar mit einem Notarzt-Einsatzfahrzeug, an. „Der Kollege kann vor Ort die gleiche sanitätsdienstliche Versorgung übernehmen wie die Besatzung eines Rettungswagens. Wer zu einem Einsatz alarmiert wird, entscheiden die erfahrenen Disponenten in der Integrierten Leitstelle von Feuerwehr und Rettungsdienst, die in den Bereichen Feuerwehr und Rettungsdienst parallel ausgebildet sind und sich regelmäßig weiterbilden.

„Ich bin froh und dankbar, dass das Ministerium des Innern des Landes Sachsen-Anhalt in gleicher Weise bereit ist, neue und auch mal unkonventionelle Wege zu gehen, so wie wir“, lobt Landrat Christian Tylsch das Engagement von Tamara Zieschangs Haus. „Die rettungsdienstliche Versorgung in Flächenlandkreisen ist immer eine große Herausforderung und wir glauben, mit dem Gemeinde-Notfallsanitäter den entscheidenden Lückenschluss zu schaffen. Bisher hatten wir im bodengebundenen Rettungsdienst zwei Werkzeuge, jetzt haben wir drei hoch spezialisierte Fahrzeug-Arten, die der Leitstellen-Disponent je nach Situation alarmieren kann“, erläutert Tylsch.  

Bei welcher Indikation welches Rettungsmittel ausrückt, ist durch den ärztlichen Leiter des Rettungsdienstes festgelegt. Gesetzlich vorgeschrieben ist, dass ein Rettungsmittel nach der Alarmierung spätestens zwölf Minuten beim Patienten eintreffen soll. Im ländlichen Raum kann diese Frist durch lange Anfahrtswege, oder wegen parallel laufender Einsätze nicht immer eingehalten werden. Mit dem Konzept des Gemeinde-Notfallsanitäters soll das Problem gemindert werden.Dabei müsse sich niemand Sorgen machen, dass kein Rettungswagen mehr kommt. „Der Leitstellen-Disponent schickt weiterhin das optimale Rettungsmittel zum Einsatzort – nur hat er jetzt noch eines zusätzlich zur Auswahl. Wir nehmen kein Rettungsmittel weg, wir tauschen keines aus. Wir bekommen ein neues dazu. Das steht genau in der Kette der letzten Jahre, in welcher der Rettungsdienst im Landkreis Wittenberg immer weiter gestärkt wurde um die Rettungsfristen weiter zu verbessern“, so Christian Tylsch. 

„Wir tragen dabei noch einer anderen Situation Rechnung: nicht nur die medizinische Versorgung der Bevölkerung wird erhöht, sondern auch dem Fachkräftemangel im Rettungsdienst begegnen wir dadurch, da nur  eine Person in dem Fahrzeug sitzen muss.“

Der Test, für den ab Juli 2023 in der DRK-Rettungswache in Gräfenhainichen ein Kollege zusätzlich zwischen 7 und 19 Uhr am Tag im Dienst sein soll, ist auf zwei Jahre angesetzt und soll dann ausgewertet werden.