1945-1952: Eine andere Form der Diktatur

1945-1952: Eine andere Form der Diktatur

Mit Wirkung vom 01. Juli 1944 wird die Provinz Sachsen aufgelöst. Aus dem Regierungsbezirk Merseburg wurde die Provinz Halle-Merseburg gebildet. Nach Ende des 2. Weltkrieges erfolgte am 23. Juli 1945 der Zusammenschluss der Provinzen Magdeburg und Halle –Merseburg mit dem Land Anhalt zur Provinz Sachsen-Anhalt. Es wurden die Bezirksverwaltungen Dessau, Magdeburg und Merseburg eingerichtet, die als Zwischeninstanzen zwischen dem Präsidium der neu gegründeten Provinz Sachsen in Halle und den Landräten der Kreise bzw. den Oberbürgermeistern der Städte fungierten.

Bereits Anfang Mai waren in den von der Roten Armee befreiten Gebieten örtliche Verwaltungsorgane geschaffen worden. Sie entstanden oft auf Initiative der sowjetischen Ortskommandanten. Diese übertrugen Kommunisten, Sozialdemokraten und anderen Antifaschisten Funktionen als Bürgermeister, Landräte, Beauftragte für Polizei und Justiz.

Landrat des Kreises Wittenberg war zu dieser Zeit Peter Florin. Geboren am 20. Oktober 1921 in Köln, entstammte er einer Arbeiterfamilie. Er war von 1943 bis 1944 Partisan in Weißrussland und bis 1945 beim Nationalkomitee Freies Deutschland tätig.

Seine Nachfolge trat unmittelbar Franz Stammer (Mitglied der SPD), geboren am 08. August 1881 in Scholitz (Kreis Delitzsch) an. Im Mai 1920 vertrat er den Bitterfelder Landrat und wurde im November 1920 als Landrat bestätigt. 1933, seines Amtes enthoben, kam er 1945 nach Bitterfeld zurück um sein früheres Amt als Landrat anzutreten, ist jedoch als Landrat in Wittenberg eingesetzt worden.

Das Jahr 1948 stand im Zeichen der Währungsreform.

Bis 1948 sind aus den Ämtern und Dienststellen weitgehend  ehemalige Nationalsozialisten entlassen und durch Antifaschisten, in der Mehrheit Arbeiter, ersetzt worden.

Zum 15. Februar 1949 wurde das Umsiedleramt aufgelöst, am 07. Oktober 1949 die Deutsche Demokratische Republik gegründet.

Am 10. Oktober 1949 übergab der Chef der Sowjetischen Militäradministration, Armeegeneral Tschuikow, die bisher von den sowjetischen Militärbehörden ausgeübten Verwaltungsfunktionen an die „Organe“ der DDR. In den Unterlagen zur Kreistagssitzung vom 30. August 1949 heißt es dazu: „Einen großen Vertrauensbeweis der Besatzungsmächte der Völker der UdSSR ersehen wir in der Übergabe der Verwaltungsfunktionen in die Hände der von Deutschen gewählten Körperschaften. In unserem Kreis war dieser Tag der 16. November.“

Ein Behördenverzeichnis widerspiegelt die Aufgaben und Struktur der Verwaltung des Kreises Wittenberg zum Ende der 1940/ Anfang 1950er Jahre, in dem es aufführt:

  • Bauamt, Frauenreferat, Handel und Versorgung, Jugendamt/ Amtsvormundschaft, Kulturamt, Wohnungsamt im „gelben Gebäude“
  • Allgemeine Verwaltung, Gesundheits- und Veterinärwesen, Hauptamt, Hilfsämterverwaltung (Beschaffungsstelle, Poststelle, Dolmetscher), Kartenstelle Handel und Versorgung, Kommunalamt, Kreisfeuerschutzamt, Kreiskommunalkasse, Personalamt, Personenstandsamt, Rechnungsprüfungsamt, Statisches Amt im „roten Gebäude“
  • Finanzverwaltung in der Dessauer Straße
  • Sozialfürsorge, Preisstelle in der Breitscheidstraße „Villa Christiana“

Mit der Kreisbildung nach dem „Gesetz über die weitere Demokratisierung des Aufbaus und der Arbeitsweise der staatlichen Organe in den Ländern der DDR“ vom 23. Juli 1952 wurde die Länderstruktur in der DDR aufgelöst. Die Länder waren  zunächst aufgefordert eine Neugliederung ihrer Gebiete in Kreise vorzunehmen und mehrere Kreise in Bezirken zusammenzufassen.

Die rechtliche Stellung der Kreise wurde vom Ministerrat der DDR in der „Ordnung für den Aufbau und die Arbeitsweise der staatlichen Organe der Kreise“ vom 24. Juli 1952 fixiert.

Die konstituierende Sitzung des Kreistages fand am 28. August 1952 im „Haus der Schaffenden“ in Wittenberg statt. In dieser Sitzung sind die Aufgabengebiete für den Vorsitzenden des Rates, seine Stellvertreter, den Sekretär und für die Ratsmitglieder festgelegt worden. Vorsitzender des Rates des Kreises Wittenberg wurde Albin Fleischmann.

In den Beständen des Kreisarchivs Wittenberg sind Originaldokumente und Unterlagen aus dieser Zeit überliefert, die die Entwicklung des Kreises Wittenberg in all seinen Facetten dokumentieren. Es handelt sich dabei vorwiegend um schriftliche Zeugnisse der Tätigkeit der Struktureinheiten der Verwaltung des ehemaligen Kreises Wittenberg.