Fachdienst Ordnung und Straßenverkehr

Kurz vor Fristablauf: Behörde tauscht tausende Führerscheine mehr um als im Vorjahr 

Eine Mammutaufgabe der Kreisverwaltung Wittenberg nähert sich erneut einem magischen Datum: Zum 19. Januar läuft die Frist aus, seinen Führerschein umzutauschen - zumindest, wenn man zwischen 1959 und 1964 geboren wurde. Bis jetzt wurden in dieser Altersgruppe in der Kreisverwaltung Wittenberg insgesamt 6.126 Führerscheine umgetauscht. Dazu kamen 1.908 Anfragen anderer Behörden an die Führerscheinbehörde.  

Interne Auswertungen der Behörde haben ergeben, dass bereits 10.495 Personen der vorgenannten Jahrgänge im Besitz eines EU-Kartenführerscheines sind. 3.489 Personen sind noch im Besitz eines bundesdeutschen Führerscheines und 2.297 im Besitz eines Führerscheines, welcher auf dem Gebiet der ehemaligen DDR ausgegeben wurde. Wie viele davon tatsächlich noch ihren Führerschein nutzen, bleibt unklar. Und auch, wenn ein Führerscheininhaber verstirbt, wird das nicht automatisch registriert. Auf Punkt und Komma genau lässt sich das auch deswegen nicht sagen, da das Fahrerlaubnisregister nicht mit dem Melderegister verbunden ist. Vergleicht man die Zahlen aber mit den hier gemeldeten Einwohnern, die in diesen Jahrgängen geboren wurden, ist davon auszugehen, dass ein Großteil der Einwohner des Landkreises Wittenberg daher bereits vom Umtausch des Führerscheines Gebrauch gemacht haben dürfte.  

Theoretisch sind aber eine sechsstellige Zahl von Führerscheinen im Landkreis Wittenberg im Umlauf. Eine Auswertung für die Jahrgänge von 1930 bis 2007 hat insgesamt 75.254 Inhaber eines EU-Kartenführerscheines, 31.857 Inhaber eines (alt)bundesdeutschen Führerscheines und 9.239 Inhaber eines Führerscheines, welcher auf dem Gebiet der ehemaligen DDR damals ausgestellt worden ist, ergeben. Gleichwohl sind auch noch entsprechende Nachweise nur auf Karteikarten (VK 30) und Listenbücher der ehemaligen Volkspolizeikreisämter registriert und nicht im elektronischen System erfasst. Die Zahlen könnten also sogar theoretisch noch größer sein. 

Die erste Tranche des Umtausches (Jahrgang 1953-1958), die ja seinerzeit um ein halbes Jahr Umtauschfrist verlängert wurde, hat zu 3.813 Umtausch-Vorgängen geführt. Die zweite Tranche, deren Umtauschfrist jetzt zu Ende geht (Jahrgang 1959-1964) führte zu 6.126 Umtauschvorgängen. „Die Kolleginnen und Kollegen aus diesem Bereich haben da eine großartige Leistung erbracht. Die Umsetzung des EU-Rechts hat an dieser Stelle zu erheblichen Belastungen geführt, auf die die Führerscheinbehörde aber mit klugen Prozessen reagiert hat“, lobt Landrat Christian Tylsch die Arbeit seiner Mitarbeitenden. Im Sommer waren die Kolleginnen und Kollegen aus der Fahrerlaubnisbehörde in die gläsernen Büros im Foyer umgezogen – das führte zu verkürzten Laufwegen, was maßgeblich dazu beigetragen hat, den Vorgang des Pflichtumtausches der alten Führerscheine in der Kreisverwaltung Wittenberg zu beschleunigen.  

Ab dem 19. Januar sind dann die Jahrgängen 1965 bis 1970 aufgerufen, ihre alten Führerscheine in einen modernen Kartenführerschein umzutauschen. Hier erwartet die Führerscheinbehörde der Kreisverwaltung Wittenberg theoretisch 7.654 Umtauschvorgänge. 

Mit Nachzüglern, die ihre Frist verpasst haben, ist weiterhin zu rechnen. „Das dürfte sich aber jeweils im mittleren dreistelligen Bereich für die Jahrgangsgruppen 1953-58 und 1959-64 handeln“, erklärt der Verwaltungschef. Dass die Frist der Antragsstellung zum 19. Januar endet, ist in der Kreisverwaltung gerade jetzt deutlich zu spüren. An den offenen Sprechtagen (ohne Terminvereinbarung) kam es nur im Pflichtumtausch am 15.12.2022 zu 164, am 22.12.2022 zu 128, am 29.01.2022 zu 138 und am 05.01.2023 zu insgesamt 236 entsprechenden Vorsprachen von Antragstellern. Hinzu kommen weitere postalische Anträge, Vorsprachen mit Terminvereinbarung und Karteikartenabschriften oder Registerauskünfte an externe Behörden.  

Im Moment sind daher wieder interne Bearbeitungsfristen von zwei Wochen und Lieferfristen der Bundesdruckerei von vier bis sechs Wochen einzuplanen. Wer auf seinem Antrag eine E-Mailadresse vermerkt, wird über das System automatisch informiert, wenn der Führerschein zur Abholung bereitliegt. Dann kann über die Homepage der Kreisverwaltung ein Termin zur Abholung reserviert werden. Diese Verfahrensweise würde die extra eingerichtete Telefonhotline enorm entlasten. 

Bis zum Jahr 2033 müssen alle Führerscheine in einheitliche EU-Kartenführerscheine umgetauscht werden. Das betrifft alle Besitzer eines Führerscheines, der vor dem 19. Januar 2013 ausgestellt wurde. Die neuen Karten sind auf 15 Jahre befristet – das betrifft aber nur das Dokument, nicht die eigentliche Fahrerlaubnis. Ärztliche Untersuchungen oder sonstige Prüfungen sind mit dem Dokumententausch im Allgemeinen nicht verbunden. 

Der Umtausch der Führerscheine ist nach Fristen gestaffelt. Für Führerscheine, die vor 1999 ausgestellt worden sind richtet sich diese nach dem Geburtsdatum des Inhabers. Die Pflicht zum Umtausch gilt für alle Fahrerlaubnisinhaber, die noch im Besitz eines Papierführerscheins sind, unabhängig ob es sich dabei um einen BRD-, DDR- oder sonstigen EU-Papierführerschein handelt. 

Wurde der Führerschein vor 1999 ausgestellt, kann dem Antrag eine Karteikartenabschrift der ausstellenden Behörde beigelegt werden. Man muss diese bei der Fahrerlaubnisbehörde des Ortes anfordern, wo der Führerschein seinerzeit ausgestellt wurde. Haben Sie zum Beispiel beim Volkspolizeikreisamt in Zerbst ihren ersten Führerschein abgeholt, wenden Sie sich jetzt an die Fahrerlaubnisbehörde des Landkreises Anhalt-Bitterfeld. Ein Muster-Anschreiben dafür gibt es auf der Webseite der Kreisverwaltung. Diese Anforderung einer Karteikarte ist nicht erforderlich, sofern die Ausstellung des Führerscheins seinerzeit in Gräfenhainichen, Jessen (Elster) oder Lutherstadt Wittenberg erfolgte. 

Zum Umtausch benötigt werden der alte Führerschein, ein gültiges Ausweisdokument, ein aktuelles biometrisches Passbild und die Antragsgebühr. Diese liegt zwischen 25,30 Euro und 35 Euro. Die Fahrerlaubnisbehörde ist erreichbar unter der E-Mail-Adresse feb@landkreis-wittenberg.de oder per Telefon: 03491 - 8 07 17 80. Es wird empfohlen, einen Termin für den Umtausch zu vereinbaren – donnerstags kann man auch ohne Termin, dann aber wahrscheinlich mit Wartezeiten in die Kreisverwaltung kommen.