Herzlichen Dank für 14 Jahre vertrauensvolle Zusammenarbeit

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

am 12. Juli geht meine zweite Wahlperiode  zu Ende und ich trete in den Ruhestand. Bei aller Vorfreude auf den neuen Lebensabschnitt verspüre ich in diesen Tagen durchaus auch Wehmut. Ich war gern Ihr Landrat. Deshalb gehört ein solches  Gefühl wohl dazu. Stets war es eine große Ehre für mich, diese hohe Verantwortung für die Menschen in unserem Landkreis aber auch die Kreisverwaltung und ihrer Einrichtungen zu tragen. Die vergangenen 14 Jahre waren voller Chancen und Herausforderungen und sind auch deshalb wie im Flug vergangen. Ich durfte als Entscheidungsträger, als Vermittler, als Ratgeber oder Moderator mitwirken. Vieles von dem, was ich mir vorgenommen hatte, konnten wir gemeinsam mit dem Kreistag und den Fachdiensten der Kreisverwaltung umsetzen und zu einer positiven Entwicklung unseres Landkreises beitragen. Dahinter stehen 86 Kreistagssitzungen, in denen 739 Beschlüsse getroffen wurden.

Ich konnte engagierte Menschen kennenlernen, die in den verschiedenen Bereichen unseres Gemeinwesens aber auch mit ihrer unkomplizierten und herzlichen Art nicht nur meinen Arbeitsalltag bereichert, sondern auch dafür gesorgt haben, dass sich im Landkreis Wittenberg Perspektiven öffneten. Oft ist die Rede von der Bedeutung des Ehrenamtes. Immer wieder stellen das unsere Feuerwehren, Hilfsorganisationen, Vereine im Sport, in der Kultur und in der Heimatpflege unter Beweis. Auch im  Zusammenhalt bei großen Aufgaben und in schwierigen Phasen haben sie den Stellenwert von Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe in unserem Landkreis praktisch gelebt.

So erinnere ich mich gern an das Reformationsjubiläum 2017. Bis dahin hatten sich nur große Metropolen an eine Herausforderung dieser Größenordnung gewagt. Als kleiner Landkreis mit seiner Kreisstadt haben wir diesen Höhepunkt auch Dank auswärtiger Hilfe gemeistert. Ich denke ebenso an die Hochwasserkatastrophen 2010 sowie 2013 oder die quasi über Nacht zu realisierende Aufnahme zahlreicher Flüchtlinge ab dem Spätsommer 2015. Auch die Bekämpfung der Corona-Pandemie hat alle Strukturen des Krisenmanagements unseres Landkreises beansprucht und ist noch lange nicht abgeschlossen.

Seit 2007 hat sich die Haushaltslage des Landkreises Wittenberg kontinuierlich konsolidiert. Auch deshalb konnten wir in diesem Zeitraum weit über 50 Millionen, unterstützt durch Fördermittelprogramme, in den Neubau, die Sanierung und Modernisierung unserer Schulen investieren. Im Bildungszentrum Lindenfeld haben die Kreismusikschule und die Kreisvolkshochschule eine neue Heimat gefunden. Die Zentralisierung des Verwaltungssitzes in der Breitscheidstraße wurde mit der Sanierung des historischen Landratsamtes zu Ende geführt. Im Brand- und Katastrophenschutz steht den Kameradinnen und Kameraden seit 2009 eine Atemschutzübungsstrecke und seit 2018 das Ausbildungszentrum in der Waldstraße zur Verfügung. Die Feuerwehrtechnische Zentrale, die Integrierte Leitstelle sowie das Krisenzentrum in der Erich-Weinert-Straße wurden fortlaufend modernisiert und die Strukturen unseres Rettungsdienstes flächendeckend optimiert. Wir konnten die Deponiesanierung in Zschornewitz und Klieken mit hoher Förderung abschließen, was sich auf die Gebühren in der Abfallwirtschaft positiv auswirkte. Auch durch die Vereinheitlichung der Entsorgerstruktur, einer transparenten Gebührengestaltung, die Einführung des Identsystems und erste Digitalisierungsprojekte findet dieser Aufgabenbereich eine zunehmende Akzeptanz. Im öffentlichen Personennahverkehr haben wir zwei Nahverkehrspläne umgesetzt. Dabei hätte ich mir eine größere Akzeptanz der Heidebahn auf Seiten der Fahrgäste gewünscht. Auch das ursprüngliche Modell “Anrufbus“ hätte ich gern fortsetzen wollen. Gerichte haben dieses bürgerfreundliche Angebot leider anders bewertet. Demgegenüber konnten wir im LEADER-Prozess in den drei Arbeitsgruppen „Wittenberger Land“, „Dübener Heide“ und „Mittlere Elbe – Fläming“ zahlreiche Projekte unterstützen, die besonders in der Fläche dörfliche Gemeinschaft und ländliches Leben für alle Generationen bereichern. In diesem Kontext wirkt seit 2008 auch die Stiftung der Sparkasse Wittenberg mit ihrer Unterstützung der Vereinsarbeit. Mit dem Tourismusverband Welterberegion sind wir gemeinsam mit unseren Nachbarn Anhalt-Bitterfeld und Dessau-Roßlau langfristig gut aufgestellt, um für unsere touristischen Potentiale zu werben und neue Schätze zu erschließen. Ich bin sicher, auch das vor wenigen Tagen im Kreistag beschlossene Integrierte Regionale Entwicklungskonzept wird in den kommenden Jahren Impulse für Entwicklung und Veränderung in unserem Landkreis hervorbringen. Bereits die Qualität der Zusammenarbeit und der Ideenreichtum der zahlreichen kommunalen und wirtschaftlichen Partner im Konzeptionsprozess stimmt mich sehr optimistisch.

Was war gut und richtig? Was wird Bestand haben? Was würde man heute anders machen? Der kleine Rückblick auf die vergangenen 14 Jahre im Landkreis Wittenberg wird an dieser Stelle unvollständig bleiben müssen. Jedoch möchte ich mich auf das Herzlichste bei allen Mitstreitern und Partnern bedanken, die diese Entwicklung mit vorangetrieben haben. Ich danke den Mandatsträgern aller politischen Ebenen, den Partnern in Wirtschaft und Verbänden, im Sozial- und Gesundheitswesen, in den Kirchen, von Polizei und Bundeswehr, im Ehrenamt. Nicht zuletzt ein besonderes Dankeschön an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kreisverwaltung. Ich danke allen, die uns sachlich und kritisch begleitet haben.
Nur, weil so viele Menschen an vielen Stellen in ihrer Verantwortung und ihrem persönlichen Engagement zusammengewirkt haben, war die von mir geschilderte Entwicklung möglich.

Nur gemeinsam lässt sich etwas bewegen. So lautet das Resümee aus der nun endenden letzten Etappe meines aktiven Berufslebens. Mit diesen Worten möchte ich mich als Landrat von Ihnen, liebe Bürgerinnen und Bürger, verabschieden. Ich wünsche uns allen Gesundheit und Glück, und dass unser Landkreis Wittenberg ein lebens- und liebenswerter Landkreis mit couragierten und engagierten Bürgerinnen und Bürgern bleibt.

Ihr

Jürgen Dannenberg